
7. März 2026
Was ist mit unseren Störchen los?
Wie berichtet ist am 22.2.2026 unser erster Storch des Jahres pünktlich auf dem Nest am Rischanger gelandet. Meine Frau hatte allerdings sofort ein wenig Bedenken: „Meinem Eindruck nach ist das nicht der Altstorch, der hier in den vergangenen Jahren war. Der sieht anders aus.“ Ich hatte Zweifel, ob man das erkennen kann. Nun aber ist ein zweiter Storch friedlich auf dem Nest gelandet (am 04.03.) und im Vergleich zu den Vorjahren doch sehr viel später. Und siehe da: Beide Störche haben bis jetzt keine Paarungsbereitschaft gezeigt – hocken einfach zu zweit auf dem Nest rum.
Das ist ganz ungewöhnlich und ganz anders als in der Vergangenheit. Sind es eventuell doch andere Störche, Jungstörche, die hier ausgeschlüpft, aber noch nicht geschlechtsreif sind? Ist es ihnen zu warm? Und wenn es andere sind, wo stecken unsere alten Störche? Kommen die vielleicht noch an, oder haben sie etwas Besseres gefunden? Uns bleibt nichts als abzuwarten.
(Herbert Stoepper)
Hallo Herr Stoepper,
ich danke für die Ankunftsdaten und beantworte den „Anhang" wie folgt: Das Verhalten von Tieren wird grundsätzlich gesteuert durch eine innere Uhr und äußere Reize (Zeitgeber wie den Hell-Dunkel-Wechsel). Der Heimzug der Störche wird hormonal gesteuert. Mit wachsender Tageslänge werden die Gonaden aufgebaut für die Fortpflanzung mit der Bildung von Eiern und Spermien. Dieser Prozess setzt im Winterquartier Ende Januar ein – also weit vor der ersten Kopula bzw. Eiablage am heimischen Brutplatz. Mit der Reifung der Gonaden setzt der Zugtrieb ein – bei den West-Ziehern, die überwiegend in Spanien überwintern ab Ende Januar und auch bei den wenigen Störchen, die noch in der westlichen Sahalzone überwintern. Gleiches geschieht auch bei den Ost-Ziehern, die in der östlichen Sahahelzone oder noch weiter südlich im östlichen Afrika überwintert haben.
Die Störche, die in Spanien überwintert haben, können bei günstiger Witterung (Westwinden) innerhalb von 10 Tagen bei uns sein. Die Ost-Zieher dagegen treffen frühestens in der letzten März-Dekade ein. Ihr Zugweg ist sehr viel länger!
Das Zugeschehen wird jeweils durch die Witterung auf den Zugwegen und bei uns "justiert". Ist der Winter bei uns milde, können die West-Zieher schon Anfang Februar auf den Nestern sein. Haben wir Schnee und Kälte, dann verzögert sich die Rückkehr so wie in diesem Jahr. In diesem Jahr sind die Westzieher ab Mitte Februar eingetroffen. Im vergangenen Jahr
habe ich geschätzt, dass inzwischen ca. 70% aller Brutpaare bei uns zur West-Population zählen. Zurzeit liegen schon viele Rückmeldungen vor. Noch gibt es aber keinen genauen Überblick über den aktuellen Bestand der Störche in der Region Hannover.
Neben den Störchen, die unserem Raum nach der Brut Ende August/Anfang September verlassen, gibt es immer mehr Störche, die in Mitteleuropa überwintern und zwar in enger Bindung an (Müll-/Kompost-Deponien). An einer Deponie im Raum Darmstadt sind den Winter über ca. 300 Störche gewesen – u.a. auch die Brutstörchin aus Scharrel. Diese Störche sind teilweise schon im Januar auf den Nestern. Insgesamt ist am Zugeschehen der Störche zu erkennen, dass die Art sich
klimabedingt hin zu einem Standvogel entwickelt. Bis das soweit ist, wird aber noch einige Zeit vergehen und schließlich: bei allem muss man wissen, dass "Bilologie nicht statisch ist" und dass es immer (Ver-)Änderungen gibt!
Im Dezember kamen schlechte Nachrichten aus dem Raum Madrid. Dort grassierte die Vogelgrippe. Unter den Opfern waren auch Ringträger und Sender-Störche aus unserem Raum. Ich hatte Befürchtungen, dass sich die Verluste in unserem Bestand bemerkbar machen würden. Dem ist offenbar aber nicht so. Meinem Eindruck nach, sind viele Nester mit
West-Ziehern besetzt. Genaueres kann man aber erst Anfang April sagen. Störche sind ohne Markierungen (Ringe) schwer zu identifizieren. Nur wenige Individuen haben unverkennbare Merkmale z.B. durch Verletzungen. Bei der insgesamt reibungslos erfolgten Horstbesetzung in diesem Jahr in Basse würde ich davon ausgehen, dass es sich um das alte Paar handeln wird? Gruß, Reinhard Löhmer
Eine Erklärung
Brief von Dr. Reinhard Löhmer an Herbert Stoepper

23. Februar 2026
Unser Storch am Rischanger
ist wieder da!
Wie in den vergangenen Jahren, fast auf den Tag genau ist am 23.02. unser erster Storch am Rischanger gelandet. Ohne Verzug ist er darangegangen, den Nestrand auszubessern; andere Störche wurden erfolgreich weggeklappert. Daher nehmen wir an, dass es wohl unser alter Storch ist, der nun auf sein Frauchen warten muss.
Wir wünschen ihm, dass es nicht so lange dauert. (Herbert Stoepper)
